Das Runde muss ins Eckige: So lautet auch im Treibball die Devise. Doch wird bei dieser Sportart noch viel mehr ins Rollen gebracht.

„Away!“: Das ist der Moment, auf den Moony nur gewartet hat. Die Australian-Shepherd-Hündin rennt aus dem Torraum und hält Kurs auf die acht Gymnastikbälle, die in scheinbar zufälliger Formation auf dem Rasen liegen. Moonys Mensch ruft die Kommandos zur Navigation: Der Hund soll zunächst den Ball vor der Nase haben, der die Nummer eins trägt. Denn beim Treibball geht es nicht frei nach Schnauze, sondern immer schön der Reihe nach. „Weiter!“, ruft Anne, und Moony läuft schnurstracks an der Acht und an der Vier vorbei. 

„Stop!“. Die Australian-Shepherd-Hündin bleibt wie angewurzelt stehen. Sie weiß, was sie jetzt machen muss, bevor sie durchstarten darf: nichts. Im Treibballtraining dreht sich viel um die Impulskontrolle. Auf dem Spielfeld nämlich soll es in geordneten Bahnen zugehen. Tatsächlich kann Treibball Spuren von Denksport enthalten. Oft muss Mensch gut überlegen, wie Hund und Bälle am besten laufen können. Die Distanzen richten sich nach der jeweiligen Starterklasse. In der höchsten sieht das Regelwerk die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund über 20 Meter hinweg vor – mit besten Grüßen aus der Hütehundarbeit. Entsprechend ist beim Training Geduld gefragt. Einsteiger nähern sich dem Ball zunächst in kleinen Schritten: Der Hund lernt, ihn von links und rechts zu umrunden, dann hinter ihm abzusitzen. Es folgen ein erstes Anstupsen, Impulskontrollübungen und Aufmerksamkeitsübungen.

Der Trainingseffekt reicht dabei weit über das Spielfeld hinaus: Die Bindung zwischen beiden Teampartnern wird gestärkt, Konzentration und Ausdauer gefördert, Hunde mit großem Bewegungsdrang entlastet.

Das „Hütehund-Gen“ ist übrigens keine Voraussetzung für den Einstieg in diesen schönen Sport. Es gibt viele Hunde, auch sehr große und kleine, die Spaß und Erfolg haben, gerade weil sie lieber eine ruhigere Kugel schieben. Auf dem Treibball-Spielfeld ist eben viel Platz für Individualität. So gibt es Hunde, die auf filigrane Technik setzen und den Ball am liebsten mit ihrer Brust oder ihrer Schnauze eng und präzise führen. Andere bieten dem Spielgerät die Stirn und treiben es, gleich einem Widder, wuchtig Richtung Tor zurück. Dort nämlich steht Partner Mensch und gibt Laut- und Sichtzeichen. Beides ist erlaubt, und die Kommandos sind im Wortlaut frei wählbar. Sind die Basics erstmal erlernt, ist vieles machbar, zum Beispiel die gemeinsame Arbeit mehrerer Teams an einem Ballaufbau. Endlich fällt Moonys Lieblingskommando: „Push!“. Die Hündin legt los, schiebt die Eins an der Drei vorbei, dann schnurstracks geradeaus, und der erste Ball ist reif fürs Tor. Hinter der Linie wird gemeinsam gefeiert, aber nur ganz kurz. Denn sieben weitere Bälle sind noch einzuholen, und ja: Die Zeit wird gestoppt, das Ergebnis mit Straf- und Bonuspunkten verrechnet. Den Hauptgewinn aber haben ohnehin alle Teams sicher: eine Riesenportion Spaß. (Text: Dominik Dopheide)